Podcast: Creator deines Lebens

Warum ich Instagram & TikTok gelöscht habe (Social Media Detox)


Okay... ich hab's getan. Ich hab 2026 direkt mal mit einem Knall gestartet. Ich hab alle meine Social Media Accounts gelöscht.

Und ich meine nicht nur die App vom Handy geschmissen. Ich meine: Accounts gelöscht. Weg.

Ich hatte auf beiden Plattformen jeweils knapp 5K Abonnenten. Es ist jetzt nicht viel, aber zum Beispiel Anfang 2025 hat mich sogar Flying Uwe engagiert, Reels für ihn zu filmen. Es ging also in die richtige Richtung mit meiner Personal Brand als Content Creator.

Nun, ich habe seit mehr als 4 Monaten Instagram und TikTok nicht mehr auf meinem Smartphone gehabt und sie als “Konsument” nicht mehr genutzt, als Content Creator habe ich aber über Drittanbieter Apps und Meta Business weiterhin Content gepostet…

Und nach diesen 4 Monaten, perfekt zum Jahreswechsel, habe ich mich dazu entschieden, die Accounts zu löschen, weil ich diese Plattformen nicht mehr in meinem Leben haben möchte.

Und in dieser Episode würde ich gerne auf 2 Perspektiven eingehen:

Einmal als Content Creator, der dachte: "Ohne Insta bin ich tot." Und einmal als Mensch. Als Papa. Als Mann, der sein Leben zurückhaben wollte.

Und wenn du jetzt gedacht hast: Boah, Serge, schön für dich, würde ich auch gerne tun, KANN ich aber nicht, weil ich die sozialen Medien für meinen Job, mein Business "whatever” brauche, dann solltest du unbedingt dran bleiben, denn ich habe genauso die letzten 10 Jahre gedacht und war am Ende absolut schockiert über die Erfahrung die ich in den letzten 4 Monaten sammeln durfte.


Disclaimer an dieser Stelle:

Ich werde überwiegend über “Instagram” sprechen. Jedoch treffen alle Aussagen genauso auf TikTok und Facebook. Facebook habe ich seit Jahren nicht mehr und TikTok ist aus meiner Sicht die ALLER SCHLIMMSTE und DRECKIGSTE PLATTFORM ever. TikTok habe ich sogar zwei Monate früher ohne Bedenken gelöscht.

Also, wie fing alles an und was hat mich dazu bewegt das zu tun.

  • Als ich im August mir das neue Google Pixel Handy geholt habe und Apps installiert habe, überkam mich ein Gedanke: “Brauche ich wirklich Instagram & TikTok auf meinem Handy?” Vor allem als Content Creator, der gerade an seinem Kurs über Reels gearbeitet hat. Und ich hab sie nicht installiert…
  • Es begann wie ein Experiment: Accounts ja, auf dem Smartphone - nein. Nur auf dem iPad und über den Browser auf dem Rechner.
  • Meine größte Sucht waren Stories: Stories von anderen anschauen und vor allem alles, was ich mache auch direkt in den Stories posten. Das war mein Creator Alltag.
  • Man kann aber Stories nur über Meta Business posten. Drittanbieter können das, aber man kann dort keinen Text oder Links hinzufügen, es müssen also komplett fertige Stories sein. Aus dem Moment heraus ist es kompliziert. Bei Meta Business ist es auch übelst umständlich und somit habe ich mich dabei erwischt, dass ich weniger und weniger Stories gepostet habe… Weil das eine gewisse Hürde war.
  • So vergingen Wochen. Ich habe weniger und weniger Stories gepostet. Hab in der Zwischenzeit meinen Kurs über die Reels gepostet (den ich nicht mehr verkaufe) und dieser hat sich auch gar nicht schlecht verkauft.
  • Und das alles hat so gut geklappt, dass ich mich entschieden habe, ich bleibe bei dieser Konstellation erstmal.

Wieso habe ich mich also entschieden, die Accounts zu löschen, wenn es doch so gut geklappt hat!?

Zunächst einmal will ich aus der privaten bzw Nutzerperspektive das erklären. Diese Perspektive ist aber sehr stark mit meiner Content Creator Perspektive verknüpft, weil ich ein- und dieselbe Person bin und es mir schwer fällt, das eine von dem anderen komplett zu trennen. Denn Personal Branding hat ja viel mit “Persönlichem” zutun.

Also:

  1. Das erste Mal, dass ich kein Insta und TikTok auf meinem Smartphone hatte, war 2024, nach meinem Tief und Depressionen und ich war mir zu 1000% sicher, das hat einen großen Einfluss auf meine Genesung, neben Sport, gehabt. Und diesmal, einige Monate nach meinem Comeback hatte ich wieder das Gefühl, dass ich wieder mehr unter “Strom” stehe als in der Zeit vor meinem Comeback. Bei weitem nicht so schlecht wie Anfang 2024, aber ich habe gemerkt, dass hier irgendwas passiert.
  2. Und als ich die Apps “nicht installiert” habe (auf dem neuen Smartphone), habe ich nach ca 4 Wochen bereits einen enormen Unterschied wieder gespürt…
  3. - Weniger Druck (ich muss was posten, weil alle posten… aber da ich niemanden mehr sah, hatte ich nicht das Gefühl, dass ALLE posten…)
  4. - Weniger gereizt bzw getriggert (weil ich dadurch keine politischen Themen gesehen habe etc…)
  5. - Mehr Ideen (und das ist ein Paradox, weil ich immer dachte, dass ich ja Instagram für Inspiration nutze und kein Suchti bin)
  6. - Ich war mehr “im hier und Jetzt” mit meinen Kids oder auch alleine, weil ich nicht noch ne weitere Story posten musste um zu zeigen dass ich “im Hier und Jetzt bin” und den Moment genieße (sonst würde ja keiner wissen)… hhhhhhaaaaaa.
  7. - Ich habe mehr gelesen, weil ich die Stelle an der Instagram war, mit Kindle ersetzt habe und wie ein Zombie immer da drauf geklickt habe. Und wenn ich gemerkt habe, dass sich ein Buch und nicht die App öffnet, habe ich es akzeptiert und 1-2 Absätze gelesen… Besser als 4-5 Reels zu sehen.


Aus der Sicht des Creators gab es noch mehr Vorteile, die unweigerlich in den privaten Lebensbereich geflossen sind:

  1. Die größte Veränderung war, dass meine Fokus-Ausdauer durch die Decke gegangen ist…egal ob bei der Arbeit, beim Schauen der Longform Videos oder beim Bücherlesen. Ich konnte mich plötzlich WIEDER viel länger auf eine Sache fokussieren. Ich habe mich dabei erwischt, dass ich locker 4-5 Stunden wie im Tunnel an einer Sache arbeiten konnte. Das kannte ich von mir davor nicht. Ohne Musik, ohne Podcast - nur meine einzige Aufgabe (wie zum Beispiel Podcast-Skript, Kundenvideo, Newsletter oder letztens mein Kurs Metamorphose - alles im Flow. Im Tunnel). Und ich habe in diesen 4-5 Stunden mehr geschafft, als früher bei 8-9 Stunden zerstreuter Arbeit, bei der ich zwischendurch immer wieder Stories gepostet habe.
  2. Die zweite große Veränderung:Ich treffe meine Entscheidungen nicht mehr für die "Story". Ich habe jahrelang jeden meiner Schritte in die Stories gepostet. Woran ich arbeite, wohin ich gehe, was ich mache oder esse. Einfach alles. Und dadurch habe ich viele Entscheidungen in meinem Leben so getroffen, dass diese „gut“ in den Stories aussehen… Wenn wir zum Beispiel ein Hotel für die Ferien gebucht haben,. Musste es schön sein… das war wichtig. Nicht „passend zu unserem Budget“, sondern schön. Das gleiche galt für Business-Trips. Aber auch so, im Alltag: Alles wurde durch den “Content Filter” gejagt. Ich habe immer im Hinterkopf den Gedanken gehabt - ist es jetzt ne Story wert oder nicht. Denn viele glauben, dass Stories nicht das gleiche ist wie Reels erstellen… aber in Wahrheit ist es NOCH schlimmer und Anspruchsvoller, denn Stories kann man in jedem Moment erstellen und dadurch ist man ständig im “Content Modus”.
  3. Daraufhin folgte erste unangenehme Erkenntnis: Man benutzt diese beiden Plattformen als Creator, muss sich „dauernd“ an die Laune des Algorithmus anpassen, dessen Ziel ist es die Nutzer länger auf der Plattform zu behalten um mit der Werbung Geld zu machen. Du als Creator wirst für diesen Content nicht entlohnt und musst ständig auf 1000 Kriterien achten, sonst wird dein Content nicht weiter ausgestrahlt… und wenn du Geld machen willst und nie Nutzer auf deine eigene Plattform weiterleitest - mag der Algorithmus das nicht und du wirst bestraft. Das nennt man Sklavenarbeit. Und ich meine YouTube ist auch nicht PERFEKT, und man wird nicht reich mit AdSense… ABER, man hat das Gefühl man wird als Creator geschätzt. Als ich aufgehört habe, täglich auf Instagram zu posten, hat es nur 3 Wochen gedauert, bis meine Videos kaum mehr Views bekommen haben. Ein Drop von irgendwas 300.000 Views pro Woche auf ca 1500 Views. In nur 3 Wochen. Das ist einfach widerlich.
  4. Die zweite unangenehme Erkenntnis: Man erstellt Content für Menschen, die diese Plattform nutzen. Richtig? Und weißt du, wer deine Zielgruppe ist? Erinnere dich selbst, wie DU dort dein Content konsumierst…auf dem Klo, beim Kaffee machen, zwischendurch in der Bahn, oder beim „Abschalten“ auf dem Sofa während du Netflix schaust. Und genauso wird deine harte Arbeit auch konsumiert. Willst du das??? Als ich das realisiert habe, wusste ich sofort - das will ich nicht. Nie wieder.

Aber wie kann man denn heutzutage OHNE sozialen Medien Marketing machen? - Fragst du dich vielleicht. Und dieselbe Frage habe ich mir die letzten 4 Monate gestellt und mich umgeschaut. Dann habe ich etwas gewagt, was ich so noch nie gemacht habe.

Ich habe mich voll und ganz auf 2 Kanäle fokussiert: YouTube als Promo, als Traffic, als Gatekeeper quasi… und Newsletter als meine Homebase.

Zum einen sind es beide Longform-Plattformen. Zumindest für mich und wie ich sie nutze. Dadurch filtere ich Menschen mit einer geringen Aufmerksamkeitsspanne aus. Menschen, die nur an 15-30 Sekunden Reels gewohnt sind, sind für mich nicht interessant. Ich möchte eine tiefere Beziehung aufbauen und nicht einer von vielen im Reels bzw For You Feed sein.

Zum anderen sind diese beiden Plattformen, die vor Instagram und TikTok existiert haben und ich bin fest davon überzeugt, das werden sie auch weiterhin tun.

Und wenn ich bei YouTube nicht die volle Kontrolle über meine Audience habe, so habe ich die vollste Kontrolle bei meinem Newsletter. Ich habe alle Emails meiner Subscriber als BAckup und ich entscheide worüber ich schreibe, wie lange meine Mails sind und ob ich was verlinke oder nicht. Und Email, ist das was JEDER heutzutage hat.

Und hier ein kleiner Vergleich. Nur in Prozenten, damit man die Relation erkennen kann:

Als ich auf Instagram meinen Kurs über die Reels promotet habe, hatte ich am Ende eine Conversion-Rate, die bei ca 0.7% lag. Also Anzahl der Käufe von der Anzahl der Follower, die ich dort hatte.

Als ich jetzt im Dezember meinen Email Kurs „Metamorphose“ rausgebracht habe, und diese nur an meine Newsletter-Liste promoted habe, lag die Conversion-Rate bei 8%…

Kannst dir selber deine eigenen Schlüsse ziehen. Ich will nur eins sagen: Email Marketing ist nicht tot. Email Marketing ist immer noch viel Stärker als alles andere und es wird in den nächsten Jahren wieder mehr und mehr Aufmerksamkeit bekommen. Weil Menschen langasm dermaßen von den sozialen Medien genervt sind und diese mit KI-Slop zugemüllt werden.

Und wenn du jetzt sagst, aber Serge, YOUTUBE ist auch Social Media, dann widerspreche ich dir hier. Denn aus meiner Sicht, ist das einzige, was YouTube zum Beispiel von Netflix unterscheidet ist die Möglichkeit unter den Videos zu kommentieren. Wenn das für dich bereits „Social Media“ ist, dann ist Spotify bereits auch ein Social MEdia, da man dort unter den Podcasts eine Kommentarfunktion finden kann.

  1. Ich nutze YouTube überwiegend im Browser auf dem MAC und ich habe da einen Plugin installiert: UnHook. Ich sehe dadurch keine YouTube Shorts, keine Recommendations und keine Kommentare :) Und ich folge dort nicht meiner Nachbarin oder einem Bekannten aus dem Fussbalverein… Es ist eine ganz andere Welt. Deshalb ist YouTube für mich kein soziales Netzwerk.

Zum Schluss möchte ich Folgendes sagen:

Wenn du soziale Medien nur privat nutzt, also nur konsumierst, dann lösche sie. Denk nicht mal dran ob es sich lohnt oder nicht - tut es nicht. zu 1000% nicht. Es gibt mittlerweile so viele Studien die ganz klar beweisen, wie toxisch, manipulativ und schlecht diese Plattformen für uns sind. Wie stark sie unsere Gesellschaft spalten und uns nicht gut tun.

Wenn du ein Business hast, das auf die sogenannten “Marketing-Features” angewiesen ist, dann lösche die Apps wenigstens vom Smartphone und nutze sie nur über Drittanbieter. Ich habe einige Kunden für die ich genauso Content erstelle und poste und das funktioniert blendend.

Und hier noch der allerletzte Gedanke zum Schluss:

Wenn solche Medien nur aus Menschen die Konsumieren, oder ihr Business promoten, besteht… was macht es dann aus dieser Plattform? Aus meiner Sicht ist es eine Shopping-Mall. Nicht mehr.

Und ich bin mir sicher, du brauchst keine Shopping Mall in deiner Hosentasche.