Podcast: Creator deines Lebens

Ich bin einsam…


Ich bin einsam. Einsam wie noch nie in meinem Leben.

Ich habe zwar Menschen um mich herum - ich bin nicht alleine. Ich habe eine Traumfrau. Ich habe den besten Bruder der Welt, den ich über alles liebe und schätze.

Aber auf dieser Reise, die ich begonnen habe: Meine Ziele zu verfolgen, Selbständig sein, endlich fit werden, ein präsenter Vater sein, bin ich irgendwie einsam.

Ich bin 38 und ich habe keine ECHTEN Freunde mehr. Nur Bekannte. Man hat sich irgendwie auseinandergelebt. Mir ging es nie um die Quantität der Freunde, sondern Qualität, aber auch die letzten haben sich dieses Jahr irgendwie von mir verabschiedet.

Und so geht es mir schon lange. Ich weiß nicht ob das, worauf ich zuarbeite überhaupt funktionieren wird. Fuck, ob das überhaupt der richtige Weg ist. Ich hatte nie mehr Zweifel in meinem Leben als in den letzten 1,5 Jahren. Aber eins weiß ich mit Sicherheit, so wie ich früher gelebt habe, will ich nicht mehr.

Und das ist soooo beängstigend. Man springt, weil hinter einem alles brennt. Aber man weiß nicht, ob man noch tiefer in das Fegefeuer fällt, oder doch endlich fliegen lernt.

Doch ich will nicht jammern… Ich will heute darüber sprechen, wie ich mit diesem Gefühl umgehe und wieso die Einsamkeit nichts Schlechtes ist, sondern ein Cheat-Code ist. Denn sie ist nicht das, was dich kaputt macht, sondern das, was dich formt. Ich möchte dir zeigen, was mir hilft, trotzdem an meinen Weg zu glauben, dran zu bleiben und vielleicht hilft es dir auch, falls du dich genauso fühlst… einsam.
Wir waren letztes Wochenende bei einer Party. Umgeben von Menschen. Meine Schwägerin hat ihren Geburtstag gefeiert und sie hat viele Freunde. Sie hatte schon immer viele und hat immer noch viele Freunde. Es waren um die 70 Leute da - die Hälfte davon gefühlt Freunde. Und jedes Mal, wenn ich das sehe, frage ich mich, was ich falsch mache? Wieso habe ich nicht so viele Freunde? Wieso kann ich nicht wie die meisten Menschen einen Angestelltenjob haben. Mich aufs Wochenende freuen, mit Freunden was trinken gehen… aber nein, ich muss irgendwelche Projekte aufbauen, etwas erreichen wollen, Bücher lesen, Sport machen…

Doch als ich bei dieser Party umgeben von Menschen war, habe ich mich wieder mal richtig einsam gefühlt. Nicht alleine. Sondern einsam. Ich hatte das Gefühl, dass Dinge, über die sie alle reden, mich absolut nicht interessieren. Als ob ich nicht reinpasse. Ich habe mich nicht “für etwas Besseres" gehalten, sondern für “fremd”, anders…

Verstehst du, was ich meine? Es ist sauschwer zu beschreiben.

Jedes Mal wenn ich Menschen, vor allem Männern, sage, dass ich morgens um 4:30 aufstehe, um Sport zu machen, schauen sie mich komisch an. Fast schon mit Hass… nach dem Motto: “Oh, hältst du dich jetzt für was Besonderes?”.

Es ist ja so, dass Menschen uns mögen bzw. nicht mögen, nicht für das, wer wir sind, sondern dafür, was für ein Gefühl wir ihnen vermitteln. Und den meisten Menschen, die täglich zu einem gehassten Job aufstehen, über ihr Leben kaum selbst bestimmen, nicht fit sind, keine Bücher lesen etc… vermittelt jemand wie ich garantiert kein gutes Gefühl wenn ich sage, dass ich selbst über meinen Urlaub entscheiden kann, dass ich morgens trainiere und dabei Hörbücher höre.

Und ich bin zum Beispiel von der Party früher weggefahren, damit ich unseren Kleinsten ins Bett bringen kann und damit meine Frau, die diese Party vorbereitet hat, mit ihrer Schwester feiern kann… Und was glaubst du, wie die meisten Männer dort reagiert haben? "Na?" Hat dich deine Frau im Griff?” Was fällt mir auch ein, aus der Masse herauszustechen und meine Zeit lieber mit Kindern zu verbringen, als mich abzuschießen?

Und solche Momente, erinnern mich immer wieder, auch wenn es unangenehm ist, warum ich so einsam bin.

Man geht weg von dem alten Leben, kommt aber noch nicht im neuen an. Und genau in dieser Phase, ist die Einsamkeit das Einzige, was einen begleitet.

Eine Gruppe kann nur zusammenhalten, wenn alle sich gleich schnell entwickeln. Wenn einer sich aber zu schnell entwickelt, wird man sofort zum Außenseiter. Das kennst du vielleicht aus der Schule. Solche Kinder nennt man STREBER. Die Herde mag es nicht, wenn einer heraussticht.

Wenn du dich also in eine bestimmte Richtung, und ich sage hier nicht “in eine bessere”, entwickeln möchtest, musst du nicht nur Gas geben, sondern auch den unnötigen Ballast abwerfen. Und in der Regel sind es alte Beziehungen, die auf diesem Weg liegen bleiben. Das ist der Preis, die Mautgebühr, die man auf diesem Weg zahlen muss.

Und die größte Gefahr ist, die Versuchung zum “Normalzustand” bzw. altem Leben zurückkehren zu wollen. Alte Freunde sagen, wie stark du dich verändert hast, dass du dich nicht mehr für sie interessiert, nennen dich narzistisch… und das verunsichert. Und wenn diese Einsamkeit auch noch ständig präsent ist, dann verunsichert es noch mehr.

Und hier möchte ich dir vorlesen, was ich für mich aufgeschrieben habe um bei solchen Versuchungen standhaft zu bleiben:

Du hast diese Reise angetreten, weil du das alte Leben nicht mehr haben wolltest. Weil du mit vielen Aspekten in deinem Leben unzufrieden warst. Dein Job, dein Körper, deine Gedanken, dein Verhalten und Gewohnheiten. Du wolltest das alte Leben nicht.

Die Einsamkeit ist eine notwendige Phase auf dieser Reise. Nur wer nichts zu verlieren hat, kann auch gewinnen. Und nur in der Einsamkeit, wirst du lernen, was es heißt, für dich selbst da sein. Für dich zu sorgen. Selbst dein Leben zu meistern. Du wirst dich selbst auf dieser Reise so gut wie noch nie kennenlernen. Denn niemand ist da, um dich zu retten. Zu trösten. Oder für dich eine Entscheidung zu treffen.

Diese Einsamkeit IST Wachstum. Und eines Tages wirst du soweit sein, dass du auf die Menschen triffst, die die gleiche Reise durchlebt haben und ihr werdet zueinander passen. Aber erst, wenn du auch so weit bist.

Ich glaube einfach, dass solche Versuchungen nur dann entstehen, wenn man den Überblick verliert, wie weit man bereits gegangen ist. Und deshalb ein Tipp an dieser Stelle: Geh mal kurz zurück. Erlaube es dir. Triff dich mit alten Freunden, geht aus, unterhaltet euch. NICHTS auf dieser Welt wird dir so deutlich zeigen, dass du eigentlich auf dem richtigen Weg bist und die Einsamkeit doch gar nicht so schlecht ist. Das passiert mir jedes mal bei solchen Partys oder wenn ich mich mit alten Freunden treffe. Man spricht nur über die “ach so tollen alten Zeiten”, aber es gibt nichts Aktuelles.

Und ganz ehrlich, die größten Probleme, die Menschen heutzutage haben, resultieren daraus, dass die Menschen nicht mal 30 Minuten still und ruhig alleine sein können. Mit sich selbst und mit eigenen Gedanken. Entweder sie scrollen, oder sie schauen Netflix oder sie gehen mit Freunden aus, nur um niemals mit sich selbst und eigenen Gedanken alleine sein zu müssen.

Und wenn du sagst: “Hey, es fehlt mir der Austausch mit Gleichgesinnten", dann such nach passenden Communities, die sich über deine Interessen austauschen. Es gibt so viele auf Skool oder woanders.

Ich bin jetzt ein paar beigetreten und schaue es mir an. Ich habe sowas früher nie gemacht. Und beobachte, wie es auf mich wirkt. Aber bis jetzt gefällt es mir sehr. Ich überlege sogar, ob ich nicht eine eigene Community starten sollte. Aber ich verrate lieber noch nichts… erst wenn ich etwas gemacht habe.