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ERFOLGREICH OHNE STUDIUM? FUNKTIONIERT DAS?

Achtung: in diesem Artikel spreche ich aus meiner persönlichen Erfahrung und nur über Berufe, die ein Studium nicht voraussetzen. Natürlich darf zum Beispiel ein Arzt oder ein Jurist ohne Studium seinen Beruf nicht einmal ausüben, geschweige schon erfolgreich zu werden.


Als ich im Januar 2013 mein zweites Studium abgebrochen habe, beschloss ich Folgendes:entweder studiere ich Kommunikationsdesign oder gar nichts. Etwas anderes wollte ich nicht mehr probieren, denn ich habe mich in der kreativen Branche wie ein Fisch im Wasser gefüllt.Bereits damals habe ich mir mit viel Angst die Frage aller Fragen gestellt: kann ich ohne ein Studium erfolgreich werden? Oder bin ich zum Scheitern verurteilt, wenn ich keinen Studienplatz bekomme?

Aus meiner heutigen Sicht, nach dem ich doch noch einen Studienplatz bekam, aber auch ca. 1 Jahr vor meinem Studium als Fotograf und Designer gefreelanced habe, kann ich mit Sicherheit sagen, dass ein Studium im kreativen Bereich sehr hilfreich sein kann, doch bei Weitem kein Garant für den Erfolg ist.

Kurzfassung

Kann ich ohne ein Studium erfolgreich als Designer/Fotograf/Musiker/Videograf usw. werden? — Ja!


Langfassung

Um diese Frage für sich beantworten zu können, muss man erstmal verstehen, was so ein Studium mit sich bringt.

Viele sind immer noch der Meinung, dass man nur im Studium lernen kann — alleine funktioniert es kaum. Aber wenn man auflistet, welche Vorteile es mit sich bringt — sieht es ganz anders aus:

Gruppenmotivation

Im Studium wird man in eine Klasse/Gruppe mit 20–40 gleichgesinnten Menschen reingesteckt. In der Regel ist es sehr toll von so vielen Kreativen umgeben zu sein. Man lernt von einander, motiviert und tritt sich gegenseitig in den Hintern, wenn es notwendig ist. Man ist nie alleine und findet immer Hilfe und Bestätigung bei den Kommilitonen. Für die meisten von uns ist es genau der Regelfall. Doch leider kann es für manche auch nach Hinten losgehen. Wir wissen alle was Gruppenzwang und Gruppenmobbing sind. Ich hoffe du musstest es nie persönlich erfahren.


Mentoren

An der Uni werden einem sehr erfahrene und erfolgreiche Dozenten zugeteilt. Man muss nicht nach den Profis suchen, die einem etwas beibringen wollen — diese werden einem fast schon auf dem Teller serviert.

Das ist der wichtigste Grund, weshalb ich unbedingt studieren wollte. Meine Dozenten (vor allem Gruß an Robert und Simon) sind nicht nur erfahren und erfolgreich in dem, was sie tun, sie sind mega nett und so cool, dass wir uns immer wieder mal nach den Vorlesungen zum Bierchen verabreden.


Werkzeuge

Um einen Beruf ausüben zu können, muss man seine Werkzeuge beherrschen. Es ist nicht notwendig gleich das ganze Equipment zu kaufen, doch man sollte alles ausprobiert haben, um zu verstehen, wie etwas funktioniert.
Die Uni stellt meistens den Studenten das Notwendigste zur Verfügung. Teure Studios, Kameras, Rechner, Bibliotheken usw. Nichts steht der Ausbildung im Weg — genau das, was am Anfang benötigt wird.
Aber wird man dadurch besser, als jemand, der sich alles selber beibringt? Lernt man dadurch intensiver und schneller? Das bezweifle ich.

All diese Vorteile bringen eins nicht mit sich mit: wie man die wichtigen Materien und Themen lernt und praktiziert, denn es hängt von jedem Einzelnen ab, wie er/sie den neuen Stoff aufnimmt und verarbeitet.
Man kann noch so viel motivieren, tolle Werkzeuge und Dozenten zur Verfügung stellen, doch wenn eine Person nur halbherzig für etwas begeistert ist, wird sie niemals so schnell und intensiv lernen wie eine Person, die mit Herz und Blut das neue Thema aufsaugt.

Was ich damit sagen will ist, dass ein studierter Kreativer nicht unbedingt besser ist, als einer, der sich alles selber beigebracht hat. Ich kenne sehr viele Designer und Fotografen, die ihre Kreativität als Beruf ansehen — ich sehe diese dagegen als Berufung an.

Man kann sehr wohl ohne Studium erfolgreich werden. Vielleicht ist es nicht so einfach, aber es funktioniert definitiv. Wer einen Funken im Herzen trägt, wird locker ein Lagerfeuer entfachen können.
Leider ist ein abgeschlossenes Studium immer noch der einzige Weg, um als Professioneller anerkannt zu werden. Ich finde es sehr schade und freue mich umso mehr, dass einige Agenturen mittlerweile gar nicht mehr auf den Abschluss, sondern nur auf die Mappe schauen.
Stimmts?
Oder bist Du da einer anderen Meinung? Hast du studiert das was du heute ausübst? Oder hast du alles selber erlernt? Wie war es bei dir?